Alt-Oestrum – wenn neu bauen, dann „angepasst“!

30.12.2020

Die Gebäude neben der geschichtsträchtigen Friedenseiche waren die Alt-Oestrumer Postkarten-Motive schlechthin: westlich der „Bruckschenhof“, ein landwirtschaftliches Anwesen; südlich der „Jägerhof“, eine kultige Dorf-Gaststätte. Für den westlichen Bereich - der Bauernhof soll abgerissen und das Gelände neu bebaut werden - gibt es, um eine geordnete Entwicklung zu gewährleisten, bereits eine politische Initiative. Da jetzt auch die Kneipe im Süden zur Disposition gestellt wird, beantragt auf Initiative der CDU die „Große Koalition“ in der Januar-Sitzung der Bezirksvertretung Rheinhausen eine erweiterte Sichtweise.

Der Hintergrund: Im Mai 2019 hat das Stadtteilparlament die Aufstellung eines Bebauungsplans für den Bereich des Bruckschenhofes und der Ländereien zwischen Eichenstraße und Wiesenstraße beschlossen. In der Novembersitzung 2020 haben die Bezirksvertreter der Eintragung des Baudenkmals „Friedenseiche“ in die Denkmalliste zugestimmt. In der Begründung heißt es unter anderem: „Zusammen mit dem deutlich überwiegenden Teil der benachbarten Bebauung markiert der Platz mit der Friedenseiche eines der beiden historischen Siedlungszentren von Oestrum und bildet bis heute einen positiven, über die Grenzen Oestrums hinaus bekannten Akzent im Siedlungsbild.“ Derzeit liegt eine Bauvoranfrage für das Grundstück der Gaststätte „Jägerhof“ zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit 13 Wohneinheiten sowie einer Tiefgarage vor.

Das Restaurant wird - wie der Bauernhof - ausdrücklich als „Teil der benachbarten Bebauung“ genannt, auch wenn das Gebäude des Jägerhofs - nach Prüfung durch die Untere Denkmalbehörde - kein Denkmal ist. Gleichwohl bestehe hier gesetzlicher „Umgebungsschutz“. Zwischenzeitlich hat sich in der Nachbarschaft eine Initiative gebildet und sich ablehnend gegenüber dem Bauvorhaben geäußert. Nach deren Einschätzung fügt sich das Vorhaben nach Masse und Kubatur nicht in die nähere Umgebung ein. Ebenso werde es der besonderen städtebaulichen und historischen Situation in Alt-Oestrum nicht gerecht. Dem Charakter des Ortes drohe vielmehr ein erheblicher Schaden.

Die Situation an der Eichenstraße mit Hilfe von Baugenehmigungsverfahren zu behandeln, greife nach Ansicht von SPD und CDU zu kurz. Die Vorgehensweise müsse deshalb sein, ein städtebauliches Konzept zu entwickeln, wie das historische Zentrum von Alt-Oestrum gesichert werden und künftig aussehen soll. Die Koalition bittet deshalb die Verwaltung, „durch die Aufstellung eines Bebauungsplans ohne weitere zeitliche Verzögerung die städtebauliche Entwicklung des historischen Kerns von Alt-Oestrum zu betreiben“. Hierzu soll der Geltungsbereich des beantragten Bebauungsplans erweitert werden. CDU-Fraktionsvize Kai Müller bringt den technischen Aspekt der Initiative auf den Punkt: „Im Aufstellungsbeschluss sollen die städtebaulichen Eckpunkte unter Berücksichtigung des historischen und denkmalgeschützten Umfelds definiert werden.“